Praxisgründung: Der Businessplan als Starthilfe


Pia Höllwig (Kommunikations- und Branchenexpertin)
16.11.2025

Praxisgründung: Der Businessplan als Starthilfe


Pia Höllwig (Kommunikations- und Branchenexpertin)
16.11.2025 | 💬 Frage stellen

Auf dem Weg in die eigene Therapiepraxis ist ein Businessplan ein wertvolles Werkzeug – nicht nur für die Bank, sondern vor allem für dich selbst. Er kann dir dabei helfen, dein Vorhaben strukturiert zu durchdenken und deine Pläne realistisch einzuschätzen. Wir haben mit der Steuerberaterin Stefanie Anders gesprochen und die wichtigsten Infos für dich zusammengefasst.

Für dich im Interview

Stefanie Anders

Die Steuerberaterin und Fachberaterin für das Gesundheitswesen Stefanie Anders ist spezialisiert auf das Thema Praxisgründung, insbesondere auf die Erstellung von Businessplänen, die Begleitung von Finanzierungsgesprächen, die steuerliche Registrierung u. v. m.

🏃‍♀️Businessplan für Eilige

  • Dein Plan für die Praxisgründung: Der Businessplan bringt Struktur in deine Idee.
  • Enthält Textteil & Zahlenteil: Im Fokus stehen Konzept, Zielgruppe und Finanzen.
  • Wichtig für Bank & Förderung: Viele Geldgeber verlangen einen fundierten Plan.
  • Grundlage für deine Planung: Du erkennst, was realistisch ist – und was (noch) nicht.


Was ist ein Businessplan?

Ein Businessplan ist die schriftliche Darstellung deiner Praxisgründung – inklusive allem, was dazugehört: Idee, Konzept, Standort, Zielgruppe, Leistungen, Finanzierungsbedarf und mehr. Er besteht aus einem Textteil und einem Zahlenteil und gibt dir (und möglichen Partner:innen) einen klaren Überblick über dein Vorhaben. Der Businessplan hilft dir außerdem, deine Gedanken zu sortieren, konkrete Ziele zu setzen und herauszufinden, welche nächsten Schritte wirklich sinnvoll sind.

Deshalb lohnt sich ein Businessplan

Einen Businessplan zu schreiben, klingt erst mal aufwendig – und vielleicht auch etwas theoretisch. Aber gerade für Therapeut:innen, die oft sehr praxisnah arbeiten, kann dieser Plan ein echtes Aha-Erlebnis sein. Denn er zwingt dich dazu, dein Vorhaben konkret zu durchdenken:

  • Wo will ich hin?
  • Was brauche ich dafür?
  • Und wie sieht mein Alltag als Praxisinhaber:in eigentlich aus?

Ein Businessplan bedeutet nicht, dass du alles perfekt vorhersehen musst. Es geht darum, Klarheit zu gewinnen. Du setzt dich mit Fragen auseinander, die dich ohnehin früher oder später beschäftigen werden – und hast im besten Fall direkt passende Antworten parat.

Ich finde es gut, wenn man sich wirklich intensiv mit dem Vorhaben auseinandersetzt – das macht man ja meistens nur einmal im Leben.

Stefanie Anders
Steuerberaterin

Vorteile deines Businessplans

  • Für die Bank: Wenn du ein Gründungsdarlehen benötigst, hilft ein Businessplan der Bank, dein Vorhaben besser zu verstehen und einzuschätzen, ob die Rückzahlung des Darlehens künftig auch realitisch ist.
  • Für Fördermittel: Viele Förderprogramme setzen einen Businessplan voraus.
  • Für dich selbst: Du machst dir frühzeitig Gedanken über Chancen, Herausforderungen und deine persönliche Ausrichtung – eine solide Grundlage für deine Praxis.
  • Für die Weiterentwicklung: Du kannst deinen Plan später nutzen, um zu prüfen, wie sich deine Praxis entwickelt hat – und ob du anpassen solltest.

Die Bausteine deines Businessplans

Dein Businessplan sollte aus zwei Teilen bestehen – einem Textteil und dem Zahlenteil. Der Textteil beschreibt dein Vorhaben inhaltlich: Was genau willst du machen, für wen, an welchem Ort und mit welcher Strategie? Der Zahlenteil zeigt, ob deine Idee auch finanziell tragfähig ist.

Ein Businessplan ist nicht nur für die Bank – sondern vor allem für dich selbst.

Stefanie Anders
Steuerberaterin

📋Der Textteil:

  • Deine Praxisidee: Welche Leistungen willst du anbieten? Was ist dir dabei besonders wichtig?
  • Dein Werdegang: Welche Erfahrungen und Stärken bringst du mit? Wie hast du bisher gearbeitet?
  • Marktanalyse: Wie sieht die Wettbewerbssituation vor Ort aus? Gibt es viele Praxen oder Versorgungslücken?
  • Standortwahl: Wie gut ist deine Praxis erreichbar? Gibt es Parkmöglichkeiten oder ÖPNV-Anbindung
  • Werbung und Sichtbarkeit: Wie möchtest du auf deine Praxis aufmerksam machen - online, offline oder beides
  • Chancen und Herausforderungen: Welche Entwicklungsmöglichkeiten siehst du, wo könnten Hürden liegen?


🔢Der Zahlenteil (Finanzplan)

  • Kostenübersicht: Welche regelmäßigen Ausgaben kommen auf dich zu (z. B. Miete, Versicherungen, Einrichtung)?
  • Liquiditätsplanung: Wie viel Einnahmen erwartest du, wie sehen deine Ausgaben aus? Bleibt genug Spielraum, um auch deinen privaten Bedarf zu decken?
  • Investitionen: Welche Anschaffungen stehen zu Beginn an – z. B. Geräte, Mobiliar, Software?
  • Voraussichtliche Entwicklung: Wie entwickelt sich deine Praxis finanziell in den ersten Jahren? Was passiert bei Krankheit, Urlaub oder saisonalen Schwankungen?
  • Puffer und Szenarien: Plane unbedingt mit einem Sicherheitspuffer. Viele Gründer:innen erstellen auch zwei Varianten: eine konservative und eine optimistische.

Unterstützung beim Businessplan

Gerade beim Finanzteil ist es sinnvoll, Unterstützung von einem Steuerbüro oder einer Gründungsberatung in Anspruch zu nehmen. Viele Gründer:innen schreiben den Textteil selbst und holen sich für das Zahlenwerk professionelle Unterstützung – eine Kombination, die sich bewährt hat. Wichtig: Eine professionelle Begleitung kann dir nicht nur Arbeit abnehmen, sondern oft auch wertvolle Denkanstöße geben.

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Die Kosten

Die Kosten für die Erstellung eines Businessplans hängen vom Umfang ab. Viele Steuerberater:innen bieten Pauschalen oder stundenweise Abrechnung an. Wichtig: Diese Kosten gelten als Gründungsausgaben und lassen sich später steuerlich anrechnen. In der Regel lohnt sich die Investition – insbesondere dann, wenn du damit auch deine Finanzierung sicherer aufstellst.

Zulassung, Steuern, Umsatz: Gründer-Guide

Businessplan = Planung mit Weitblick

Ein Businessplan ist keine Glaskugel, aber ein sehr guter Kompass. Er gibt dir Sicherheit, lässt dich besser mitreden (zum Beispiel bei der Bank) und zeigt dir, wo du ggf. nachjustieren solltest. Du kannst deinen Plan auch später noch einmal heranziehen – zum Beispiel nach dem ersten Jahr – und schauen, wie sich deine Praxis im Vergleich zur Planung entwickelt hat.

Der Plan hilft, Sicherheit zu gewinnen und sich mit den eigenen Zielen frühzeitig auseinanderzusetzen.

Stefanie Anders
Steuerberaterin

Viele Praxisgründer:innen berichten im Rückblick, dass sie dank des Businessplans frühzeitig Klarheit über ihre Ziele, ihren Finanzbedarf und ihren Wunsch-Arbeitsalltag gewonnen haben. Die Arbeit lohnt sich – und du musst sie nicht allein machen.

Wer hier für dich schreibt

Pia Höllwig (Kommunikations- und Branchenexpertin)

Durch ihre langjährige Erfahrung im Gesundheits- und Heilmittelbereich kennt Pia Höllwig die Branche mittlerweile in und auswendig. Die Themen TI und Existenzgründung liegen ihr dabei besonders am Herzen. Ihr Wissen gibt Pia regelmäßig in Expertenbeiträgen und Seminaren weiter.
💬 praxis-wissen@thevea.de


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