Der elektronische Medikationsplan (eMP)

Der elektronische Medikationsplan (eMP) ist eine Anwendung der Telematikinfrastruktur, mit der alle Medikationsinformationen von Patient:innen digital gespeichert und aktualisiert werden k√∂nnen. Aktuelle und historische Daten zur Einnahme von Medikamenten, aber auch Informationen zu Allergien oder Unvertr√§glichkeiten k√∂nnen auf freiwilliger Basis festgehalten werden. Das erh√∂ht die Transparenz, sorgt f√ľr eine bessere Abstimmung bei Behandlungen und verbessert die Kommunikation zwischen verschiedenen behandelnden Akteuren im Gesundheitswesen (z.B. Haus√§rzt:innen und Fach√§rzt:innen).

Das Hauptziel der gesamten Telematikinfrastruktur besteht n√§mlich darin, eine bessere Vernetzung der Einrichtungen des Gesundheitswesens und einen schnelleren und transparenteren Zugang zu den Patientendaten im Zusammenhang mit der Behandlung zu gew√§hrleisten. Medikamente sind ein sehr wichtiges Thema: Welche Medikamente werden von Patient:innen aktuell eingenommen? Welche Verschreibungen wurden in der Vergangenheit eingel√∂st? Was wird derzeit behandelt und wie? Mit einem elektronischen Medikationsplan (eMP) k√∂nnen all diese Informationen auf freiwilliger Basis in der TI-Infrastruktur gespeichert und aktualisiert werden.

√úber den Autor

Philipp Engbarth

Philipp ist unser Experte f√ľr alle Fragen rund um die Telematikinfrastruktur. In unseren Blogartikeln teilt er sein Wissen und beantwortet alle Fragen rund um das Thema.

Auf einen Blick: aktuelle Medikationsdaten jederzeit abrufbar

Vor der Einf√ľhrung des eMP wurde 2016 ein Vorg√§nger, der bundeseinheitliche Medikationsplan (BMP), eingef√ľhrt. Im Jahr 2020 k√∂nnten diese bisher analogen Daten in einer elektronischen Gesundheitsakte gespeichert werden, in der alle relevanten Arzneimitteldaten, einschlie√ülich Informationen √ľber Allergien oder Unvertr√§glichkeiten, zentral erfasst werden.

Vorteile

  • Erh√∂hte Transparenz und damit bessere Koordinierung der Behandlung durch Bereitstellung von Informationen √ľber fr√ľhere und aktuelle Arzneimittel.
  • Verbesserung der Sicherheit der Arzneimitteltherapie durch Vermeidung unerw√ľnschter und gef√§hrlicher Wechselwirkungen.
  • Verbesserte Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren des Gesundheitssystems (z. B. zwischen Haus- und Facharzt).

Die Anfänge des eMP

Die erste Idee f√ľr einen elektronischen Medikamentenplan wurde kurz nach der Jahrtausendwende geboren. Dies lag jedoch nicht daran, dass der Gesundheitssektor nach neuen, innovativen und digitalen L√∂sungen und Angeboten f√ľr Patient:innen suchte, sondern an einem Skandal - dem "Fall Lipobay". Im Jahr 2001 musste der Pharmariese Bayer den Cholesterinsenker Lipobay wegen ungew√∂hnlich hoher Nebenwirkungen, die durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursacht wurden, vom Markt nehmen. Mehr als 50 Menschen kamen dabei ums Leben. 

Um solche F√§lle in Zukunft zu vermeiden, planen die Spitzenverb√§nde des deutschen Gesundheitswesens die Einf√ľhrung einer elektronischen Gesundheitskarte, auf der unter anderem die von den Patient:innen eingenommenen Medikamente aufgelistet werden sollen. Die Idee des elektronischen Medikationsplans war geboren.
Mit Zustimmung der Patient:innen k√∂nnen √Ąrzt:innen und Apotheker:innen den elektronischen Medikamentenplan in der elektronischen Patientenakte speichern. 

Welche Daten werden auf dem eMP gespeichert?

  • Stammdaten der Patient:innen
    Die Stammdaten umfassen Vor- und Nachname, Anschrift und das Geburtsdatum
  • Hintergrunddaten zur Medikation
    Hier wird alles aufgelistet, was f√ľr aktuelle und zuk√ľnftige Medikationen relevant ist, z.B. Unvertr√§glichkeiten oder Allergien.
  • Angaben zur Medikation
    Alle von den Patient:innen eingenommene Medikamente sowie Informationen √ľber ihre Anwendung (Dosis, Zeitpunkt, H√§ufigkeit usw.) werden im elektronischen Medikationsplan (eMP) gespeichert. Sowohl √§rztlich verordnete als auch rezeptfrei in der Apotheke gekaufte Arzneimittel k√∂nnen hier hinterlegt werden. Dar√ľber hinaus werden Medikamente aufgef√ľhrt, die abgesetzt wurden, aber wichtig sind, um die Sicherheit der Arzneimitteltherapie kontinuierlich √ľberpr√ľfen zu k√∂nnen. 

Der elektronische Medikationsplan ist vor allem deswegen eine zentrale Telematikinfrastruktur-Anwendung, da fast ein Viertel aller erwachsenen Menschen in Deutschland dauerhaft drei oder mehr Medikamente einnehmen. F√ľr alle behandelnden Akteur:innen k√∂nnen die Informationen auf dem eMP helfen, die eigene Behandlung noch besser und individueller zu gestalten - ohne lange nach Informationen suchen zu m√ľssen.

So wird der eMP beantragt

Alle Personen, die dauerhaft mehr als drei Arzneimittel verschrieben bekommen, haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen elektronischen Medikationsplan. Der Plan sollte von denjenigen √Ąrzt:innen angelegt werden, welche:r die Medikation koordinieren. In der Regel sind das die Haus√§rzt:innen. Alle mitbehandelnden √Ąrzt:innen, sowie Apotheker:innen sind verpflichtet den eMP stets aktuell zu halten. Bevor damit gestartet werden kann, m√ľssen Versicherte bei ihrer Krankenkasse einen PIN f√ľr die elektronische Gesundheitskarte (eGK) beantragen. Dieser PIN kann dann nicht nur f√ľr den Zugriff auf den eMP genutzt werden, sondern auch im Notfall, damit Rettungskr√§fte und anderes medizinisches Fachpersonal auf den Notfalldatensatz zugreifen kann. So kann auch hier sichergestellt werden, dass nicht nur schnell, sondern auch bestm√∂glich - mit Blick auf bestehende Medikationen oder Allergien - behandelt werden kann.

Wichtig zu wissen: Die Patient:innen haben immer die Hoheit √ľber ihre eigenen Daten und k√∂nnen einer Eintragung von Medikamenten in den eMP grunds√§tzlich auch widersprechen. Es sollte daher nie ohne R√ľckfragen von einem vollst√§ndigen (digitalen) Medikationsplan ausgegangen werden.

Nat√ľrlich kann der aktuelle Medikationsplan f√ľr Patient:innen auch nach wie vor auf Papier ausgedruckt werden. Die digitale Speicherung und √úbermittlung der Daten ist vor allem f√ľr die Akteur:innen im Gesundheitswesen eine gro√üe Erleichterung. Wer Zuhause im Badezimmerschrank lieber noch ein Blatt Papier mit den aktuellen Dosierungen haben m√∂chte, der kann das selbstverst√§ndlich auch im Zeitalter der Digitalisierung noch.

Das technische Setup

Es braucht einige wenige technische Voraussetzungen bzw. Ger√§te, damit √Ąrzt:innen, aber z.B. auch Heilmittelerbringer:innen auf den elektronischen Medikationsplan zugreifen k√∂nnen.

F√ľr den eMP-Zugriff braucht es:

  • eHealth-Kartenterminal: Zur Authentifizierung innerhalb der TI und f√ľr eHBA und eGK der Patient:innen
  • Aktuelle Software Konnektor
  • Elektronischer Heilberufsausweis
  • Praxissoftware Update zum eMP

Von den Versicherten wird jeweils ihr individueller PIN benötigt, um auf die eMP-Daten auf der elektronischen Gesundheitskarte zugreifen zu können.

Hier geht's zur Geschichte der TI

Klicke auf die gew√ľnschte Kategorie, um mehr √ľber die TI zu erfahren:

Die Anfänge

Erfahre hier, wie die Telematikinfrastruktur entstanden ist

Status Quo

Hier findest du die wichtigsten Entwicklungen von 2021 bis 2022

Ausblick

Wie sieht die Zukunft der Telematikinfrastruktur aus? Das erfährst du hier.

Die Anfänge

Alles zur Entstehung der Telematikinfrastruktur findest du hier.

Status Quo

Hier findest du die wichtigsten Entwicklungen von 2020 bis 2021.

Ausblick

Wie sieht die Zukunft der Telematikinfrastruktur aus? Das erfährst du hier.

Du willst f√ľr die TI schon jetzt bestens aufgestellt sein? 
Dann teste thevea einfach 14 Tage lang völlig kostenlos und unverbindlich!

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>