Die neue Heilmittel-Richtlinie: Alle Neuerungen auf einen Blick

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat als höchstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen den Eintritt der neuen Heilmittel-Richtlinie zum 01. Januar 2021 beschlossen. Der ursprünglich geplante Start zum 01.10.2020 wurde nach Bekanntgabe durch den Gemeinsamen Bundesausschuss um ein Quartal verschoben. Als Grund für die Verschiebung führte der G-BA die Sicherstellung der flächendeckenden Umsetzung der neuen Heilmittel-Richtlinie an. Mit Inkrafttreten der neuen Heilmittel-Richtlinie wird es zudem künftig nur noch ein Verordnungsformular für alle Heilmittelbereiche geben.

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Die neue Heilmittel-Verordnung:
Verständlich im Video erklärt

Stefan Stihler, Produktmanager von opta data, berichtet über die neuesten Veränderungen der Heilmittelrichtlinie. Mehr Videos, Informationen und Hintergründe erhältst du mit unserem Update-Service.

 
 
 
 

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Die drei wichtigsten Fragen und Antworten

Die Heilmittelverordnung dient dazu, dass Ärzte ein oder mehrere Heilmittel verschreiben können. Je nach Diagnose sieht der behandelnde Arzt die Verordnung einer medizinischen Maßnahme im Bereich der Heilmittel vor. Die Bandbreite reicht von Physiotherapie und Ergotherapie über Logopädie und Frühförderung bis hin zu Podologie. Hat der Arzt ein solches Rezept ausgestellt, werden die Kosten für die Heilmitteltherapie in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Voraussetzung ist, dass eine Heilmittelverordnung korrekt und vollständig ausgefüllt wurde.

1. Was ändert sich?

Es gibt einige grundlegende Veränderungen. Zentral sind dabei:

  • Die Möglichkeit, gleichzeitig bis zu drei vorrangige und maximal ein ergänzendes Heilmittel zu verordnen
  • Abschaffung der Regelfallsystematik
  • Möglichkeit der Angabe der Leitsymptomatik buchstabenkodiert (a, b, c) oder als Klartext
  • Angabe mehrerer Leitsymptomatiken möglich
  • Möglichkeit der Angabe einer patientenindividuellen Leitsymptomatik als Freitext
  • Verlängerung der Frist zum Behandlungsbeginn einer Heilmitteltherapie von 14 Tage auf 28 Tage nach Ausstellung der Verordnung
  • Möglichkeit einer flexibleren Angabe der Behandlungsfrequenz als Frequenzspanne (z.B. 1-3x wöchentlich)

2. Welche Verbesserungen gibt es?

Mit der neuen Heilmittelverordnung kommen viele Vorteile für verordnende Ärzte, Heilmittelerbringer und Patienten. Im Mittelpunkt stehen eine größere Übersichtlichkeit, mehr Standardisierung, mehr Verordnungssicherheit und weniger Bürokratie.

3. Was wird aus den Verordnungsmustern?

Die bisherigen Muster 13 (Physiotherapie und Podologie), Muster 14 (Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie) und Muster 18 (Ergotherapie und Ernährungstherapie) werden zu einem zentralen neuen Muster 13 für alle Heilmittelbereiche konsolidiert. Dieses neue Muster 13 ist ab dem Inkrafttreten der neuen Heilmittel-Richtlinie zwingend von Vertragsärzten zur Verordnung von Heilmitteln zu nutzen. Der Verordnungsvordruck Z13 für die Verordnung von Heilmitteln durch Vertragszahnärzte ist ebenfalls angepasst worden und ersetzt mit Inkrafttreten der Heilmittel-Richtlinie für Zahnärzte zum 01.01.2021 das aktuelle Formular.

Unsere gratis Info-Broschüre zur neuen Verordnung

Die wichtigsten Neuerungen rund um die neuen Heilmittel-verordnung und die Heilmitten-Richtlinie. Die neue Heilmittel-Verordnung: Schritt für Schritt erklärt.

Updates zur Heilmittelrichtlinie

Kurz und knapp versuchen wir dir die Konsequenzen und den weiteren zeitlichen Fahrplan aufzuzeigen. Der GKV-Spitzenverband schließt als Bevollmächtigter seiner Mitgliedskassen Verträge mit den Berufsverbänden der Leistungserbringer über die Einzelheiten der Versorgung mit Heilmitteln sowie über die zugehörigen Preise, deren Abrechnung und die Verpflichtung der Leistungserbringer zur Fortbildung. Die Verträge richten sich nach den Rahmenempfehlungen zur Heilmittelversorgung und sind Voraussetzung für die Versorgung der Versicherten mit Heilmitteln und für die Abrechnung der erbrachten Leistungen mit den Mitgliedskassen. 

Was bisher geschah - der Entscheidungsprozess

Grundlagen der Heilmittel-Richtlinie und Heilmittelverordnung

Die neue Heilmittel-Richtlinie regelt die Verordnung von Heilmitteln durch Vertragsärztinnen und Vertragsärzte. Heilmittel sind persönlich zu erbringende medizinische Leistungen in den Bereichen Physiotherapie, Podologie, Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie, Ergotherapie und der Ernährungstherapie. Die Abgabe von Heilmitteln zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung setzt eine Verordnung durch einen Vertragsarzt voraus. Somit ist die Heilmittel-Richtlinie das zentrale Nachschlagewerk in Praxen, wenn es darum geht, verordnungsfähige Therapien und Behandlungsmengen zu bestimmen. Damit Heilmittel verordnet werden können, muss ein Patient zuvor ausführlich diagnostiziert werden und der Zustand des Patienten muss durch den Arzt dokumentiert werden.

 
 
 
 

Was sind die Besonderheiten der neuen Heilmittel-Richtlinie?

Stefan Stihler berichtet über die Besonderheiten der neuen Heilmittelverordnung.

Bei der Verordnung von Heilmittel muss grundsätzlich das Wirtschaftlichkeitsgebot gemäß §12 SGB V Beachtung finden. Vor jeder Verordnung muss daher sorgfältig geprüft werden, ob die individuellen Therapieziele des Patienten nicht auch bei gleicher Qualität mit geringeren Kosten erreicht werden können. Wesentlicher Bestandteil der Heilmittel-Richtlinie ist der Heilmittelkatalog. Dieser beschreibt, welche Heilmittel in welchen Mengen bei welchen Diagnosen verordnet werden dürfen, um das gewünschte Therapieziel zu erreichen.

Übersicht der Heilmittelerbringer

Im Rahmen der Sozialgesetzgebung haben gesetzlich versicherte Patienten einen Anspruch auf ärztliche Behandlung, auf Arznei- und Verbandsmittel (§31 SGB V) und auf eine Versorgung mit den sogenannten Heilmitteln (§32 SGB V). Heilmittel können daher zur Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden. 


 
 

Heilmittelerbringer

Als Heilmittelerbringer werden alle Therapeuten bezeichnet, die einem der folgenden Bereiche zugeordnet werden können.

 

Physiotherapie

u.a. Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Massagen, Thermotherapie

 

Ergotherapie

u.a. Motorisch-funktionelle Behandlung, Psychisch-funktionelle Behandlung, Sensomotorisch-perzeptive Behandlung

 

Ernährungstherapie

u.a.bei seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen und Mukoviszidose

 

Podologische Therapie

u.a. Hornhautabtragung, Nagelbearbeitung

 

Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie

u.a. bei Problemen der Stimmbildung, bei neurologisch bedingten Sprechstörungen oder Schluckstörungen

Hintergrund der Änderung der Heilmittel-Richtlinie

Der Beschluss des G-BA zur Neufassung der Heilmittel-Richtlinie soll folgende zentrale Verbesserungen mit sich bringen:

  • Vereinfachte Verordnungsverfahren
  • Beschleunigte Prozesse
  • Bürokratische Entlastung von Ärzten und Heilmittelerbringern
  • Standardisierung von Verordnungen
  • Komplexitätsreduzierung der Diagnosegruppen
 
 
 
 
 
 

Wie geht es weiter mit der Heilmittel-Richtlinie?

Stefan Stihler, der Produktmanager Heilmittel und Physiotherapeut von Optadata erzählt darüber, wie es mit der Heilmittelverordnung weiter geht. Alle Infos und Updates zur neuen Heilmittelrichtlinie in unserem exclusiven Update-Service – jetzt anfordern!

Die Regelungen für Ärzte zur Verordnung von Heilmitteln sind im Verlauf der letzten Jahre immer vielschichtiger und anspruchsvoller geworden. Nach Ihrer Einführung im Jahr 1997 wurde die Heilmittel-Richtlinie 2001 umfassend überarbeitet und erneuert. In den Jahren 2004 und 2011 erfolgten weitere Anpassungen. Die jetzigen Neuerungen sollen nun mehr Klarheit schaffen und den tatsächlichen Abläufen in der Arztpraxis Rechnung tragen.

Das Verordnungsmuster für eine Heilmittelverordnung 

Die Verordnung von Heilmitteln ist von Ärzten auf einem speziellen Vordruck vorzunehmen. Aktuell gibt es drei verschiedene Muster im Rahmen der Heilmittelverordnung:

  • Muster 13: Physikalische Therapie und Podologische Therapie
  • Muster 14: Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie
  • Muster 18: Ergotherapie und Ernährungstherapie

Ab dem 01.01.2021 wird für die Verordnung sämtlicher Heilmittel ein neues Muster 13 eingesetzt. Dieses wird die bisherigen Verordnungsmuster ersetzen. Die Muster 13, 14 und 18 dürfen dann nicht mehr verwendet werden. Da einige Angaben auf der Verordnung aufgrund der neuen Heilmittel-Richtlinie nicht mehr benötigt werden, entfallen diese auf dem neuen Verordnungsmuster. Das neue Muster orientiert sich an typischen Arbeitsabläufen und Prozessen in einer Arztpraxis und soll somit einfacher auszufüllen sein.

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Die wichtigsten Neuerungen rund um die neuen Heilmittel-verordnung und die Heilmitten-Richtlinie. Die neue Heilmittel-Verordnung: Schritt für Schritt erklärt.

Werden Klassifizierungen oder Codierungen in einer ärztlichen Praxisverwaltungssoftware (PVS) angegeben, dann werden diese dort automatisch in einen Klartext umgewandelt, der dann dem Muster hinzugefügt wird.

Aufgrund der komplexen Vorgaben bei der Verordnung von Heilmittel, dürfen bereits seit 2017 nur noch bestimmte von der KBV zertifizierte Softwarelösungen zur Erstellung und Verwaltung von Verordnungen verwendet werden.

Folgende Angaben sieht das neue Muster 13 vor:

  • Angabe des Heilmittelbereichs: Unterscheidung zwischen Maßnahmen der Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungstherapie, Podologischen Therapie oder Maßnahmen der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie
  • Diagnose und Diagnosegruppe
  • Leitsymptomatik
  • Heilmittel gemäß Katalog und Behandlungseinheiten
  • Therapiefrequenz
  • ggf. Therapiebericht, Hausbesuch, Therapieziele
  • ggf. Kennzeichnung dringlicher Behandlungsbedarf
 
 

Wesentliche Änderungen: alles was Sie zur neuen Heilmittelverordung wissen müssen

REDUZIERUNG DER ANZAHL DER DIAGNOSEGRUPPEN

 
 

Nach dem neuen Heilmittelkatalog werden einige Diagnosegruppen zusammengefasst.
Die Diagnosegruppen zu den Maßnahmen der Physiotherapie werden beispielsweise von 22 auf zukünftig 13 Diagnosegruppen reduziert. So werden etwa die Diagnosegruppen WS1 und WS2 zur Diagnosegruppe WS zusammengefasst. Im Bereich der Ergotherapie wird die Anzahl der Diagnosegruppen von 16 auf 10 reduziert. Im Bereich der Stimm-, Sprech-, Sprach und Schlucktherapie entfällt lediglich eine Diagnosegruppe. Im Bereich der Podologie und Ernährungstherapie wurden bezogen auf die Anzahl der Diagnosegruppen keine Änderungen vorgenommen.

VERORDNUNGSFALL

 

Der Verordnungsfall wird künftig die Regelfallsystematik ablösen. Ein Verordnungsfall umfasst alle Heilmittelbehandlungen für einen Patienten, die für die selbe Diagnose (ICD-10) und Diagnosegruppe nach dem Heilmittelkatalog ausgestellt werden. Nach einem Zeitraum von 6 Monaten nach Ausstellung der letzten Verordnung für diesen Verordnungsfall, tritt ein neuer Verordnungsfall ein. Der Verordnungsfall bezieht sich hierbei immer auf die verordnende Ärztin oder den verordnenden Arzt (neuer Arzt = neuer Verordnungsfall).

ORIENTIERENDE BEHANDLUNGSMENGE

Anstelle der maximalen Gesamtverordnungsmenge tritt die orientierende Behandlungsmenge. Diese dient als Richtgröße für die Summe der Behandlungseinheiten, mit welcher das erwünschte Therapieziel erreicht werden kann. Wird das Therapieziel nicht erreicht, sind auch darüber hinaus Verordnungen möglich. Die individuellen Gründe müssen durch die Ärztin oder den Arzt in der Patientenakte dokumentiert werden. Die orientierende Behandlungsmenge bezieht sich auf den Verordnungsfall.

ENTFALL VON VERORDNUNGSARTEN UND VERORDNUNGEN AUSSERHALB DES REGELFALLS

 

Zukünftig wird es keine Unterscheidung nach Erst- und Folgeverordnungen sowie Verordnungen außerhalb des Regelfalls geben. Somit entfällt auch das Genehmigungsverfahren für Verordnungen außerhalb des Regelfalls.

WAHL DER HEILMITTEL

 

Bisher wurde zwischen vorrangigen, optionalen und ergänzenden Heilmitteln unterschieden. Ab dem 01.01.2021 wird es nur noch vorrangige und ergänzende Heilmittel geben. Die bisherigen optionalen Heilmittel wurden diesen Heilmittelarten zugeordnet. Bei der Wahl der Heilmittel darf der Arzt mit der neuen Heilmittel-Richtlinie bis zu 3 vorrangige Heilmittel und maximal ein ergänzendes Heilmittel parallel verordnen. Die Summe der vorrangigen Heilmittel darf dabei die vom Heilmittelkatalog vorgegebene Höchstmenge je Verordnung nicht überschreiten. Die Anzahl des ergänzenden Heilmittels darf die Summe der vorrangigen Heilmittel nicht überschreiten.

BEHANDLUNGSBEGINN

 

Der Beginn der Behandlung muss unabhängig vom Heilmittelbereich innerhalb von 28 Tagen ab Ausstellung der Verordnung erfolgen. Ansonsten verliert die Verordnung ihre Gültigkeit.

Besteht die Notwendigkeit eines zeitnahen Therapiebeginns, so hat der Arzt die Möglichkeit, das Feld für den dringlichen Behandlungsbedarf zu markieren. Bei einem dringlichen Behandlungsbedarf muss die Behandlung innerhalb von 14 Tagen nach Ausstellung der Verordnung beginnen. Auf den alten Verordnungsmustern konnte der Arzt eine Angabe zum spätesten Behandlungsbeginn machen, um die reguläre Frist zum Behandlungsbeginn zu umgehen. Dies ist auf dem neuen Verordnungsmuster nicht mehr möglich.

LEITSYMPTOMATIK

 

Zukünftig besteht die Möglichkeit der Angabe einer oder mehrere Leitsymptomatiken, entweder buchstabenkodiert „a“, „b“, „c“ oder als Klartext. Alternativ kann auch eine patientenindividuelle Leitsymptomatik als Freitext angegeben werden. Die Zuteilung von Heilmitteln zur Leitsymptomatik entfällt. Ausgenommen sind Verordnungen für Behandlungen der Podologie.

BEHANDLUNGSFREQUENZ

 

Die neue Heilmittel-Richtlinie bietet die Möglichkeit, eine flexiblere Angabe der Behandlungsfrequenz (z.B. als Frequenzspanne, etwa „1-3x wöchentlich“) zu machen. Damit haben die Therapeuten die Möglichkeit, ihre Terminplanung individueller auf die Bedürfnisse der einzelnen Patienten anzupassen. Die jeweiligen Heilmittelerbringer sind jedoch an die Therapiefrequenz auf der Verordnung gebunden und dürfen diese nur im Einvernehmen mit dem behandelnden Arzt verändern. Eine erneute Arztunterschrift ist jedoch nicht erforderlich.

Sonderfälle: Langfristiger Heilmittelbedarf und besonderer Verordnungsbedarf

Eine Diagnoseliste der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gibt Übersicht über all diejenigen Diagnosen oder Diagnosekombinationen, die einen langfristigen Heilmittelbedarf oder einen besonderen Verordnungsbedarf rechtfertigen. 

Der G-BA legt hierzu jedes Jahr mit Wirkung zum 1. Januar neu fest, bei welchen Erkrankungen ein langfristiger Heilmittelbedarf vorliegt und ist somit maßgebliches Entscheidungsgremium. Wird eine der Diagnosen in Verbindung mit der jeweiligen Diagnosegruppe verordnet, muss kein Antrags- und Genehmigungsverfahren stattfinden.

Bei schweren dauerhaften funktionellen oder strukturellen Schädigungen, die nicht gelistet, jedoch vergleichbar mit den jeweiligen Diagnosen sind, kann ein Antrag bei der Krankenkasse auf einen langfristigen Heilmittelbedarf gestellt werden.

Die wichtigsten Änderungen für Ärtze

Eine zentrale Voraussetzung zur Kostenübernahme durch die GKV ist das vollständige und korrekte Ausfüllen der Heilmittelverordnung durch den zuständigen Arzt. Ärzte sollten daher die Änderungen der neuen Heilmittel-Richtlinie kennen und den Aufbau des neuen Muster 13 beachten. Neue Verordnungsmuster sollten rechtzeitig bestellt werden. Die PVS-Systeme sollten ebenfalls bis zur Umstellung technisch angepasst sein.

Neben der administrativen Entlastung durch das Zusammenführen der Verordnungsmuster wurden außerdem einige Inhalte noch einmal angepasst bzw. überarbeitet, die für Ärzte relevant sind. Zum Beispiel ist es mit der neuen Heilmittel-Richtlinie möglich drei vorrangige und ein ergänzendes Heilmittel für die Patienten zu verordnen und nicht mehr nur maximal ein vorrangiges oder ein optionales Heilmittel und maximal ein ergänzendes Heilmittel wie zuvor. Eine Unterscheidung gibt es nur noch zwischen vorrangigen und ergänzenden Heilmitteln, wobei die optionalen Heilmittel primär in die vorrangigen Heilmittel integriert wurden. 

Die neue Heilmittel-Richtlinie bietet ebenfalls die Möglichkeit der Ausstellung einer Verordnung mit erweiterter Versorgungsverantwortung von Heilmittelerbringern („Blankoverordnung“). Auf die Angaben zur Anzahl der Behandlungseinheiten, zum Heilmittel gemäß Katalog und zur Therapiefrequenz kann verzichtet werden. Ebenfalls brauchen keine ergänzenden Angaben zum Heilmittel gemacht werden. Der Heilmittelerbringer kann eigenständig entscheiden, welches Heilmittel, welche Dauer und Frequenz zur Behandlung des Patienten therapeutisch sinnvoll und notwendig ist. Dies bietet den Heilmittelerbringern größere Flexibilität in ihrer Arbeit.

Die KBV plant in der Servicebroschüre „Heilmittel“ die neue Heilmittel-Richtlinie zu begleiten. Die Broschüre soll dem Deutschen Ärzteblatt am 11.12.2020 beiliegen. Zusätzlich soll es ein Video geben, dass die wichtigsten Kernpunkte zusammenfassen wird. Darüber hinaus strebt die KBV an, zwei CME-zertifizierte Fortbildungen aufzusetzen, die zum Inkrafttreten der neuen Heilmittel-Richtlinie bereitstehen sollen. 

Was müssen Heilmittelerbringer beachten?

Gemäß der Urteilsverkündung des Bundessozialgerichtes vom 27.10.2009 (AZ: B1 KR 4/09 R) sind Physiotherapeuten verpflichtet, Verordnungen auf ihre Vollständigkeit, inhaltliche Plausibilität und Gültigkeit zu überprüfen. Krankenkassen müssen fehlerhaft ausgestellte oder inhaltlich falsche Verordnungen nicht bezahlen. Es besteht somit die Gefahr, dass Heilmittelerbringer für die geleistete Behandlung nicht vergütet werden! 

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